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44. Wolfgangseelauf mit Salzkammergut-Marathon am 18.10.2015
 

Der Wolfgang in St. Wolfgang am Wolfgangsee

994 in Schwaben geboren und siebzig Jahre später in Oberösterreich in die ewigen Jagdgründe eingegangen, wirkte der heilige Wolfgang vor allem als Eremit, Missionar und Bischof von Regensburg. 1052 heiliggesprochen, wird er als Schutzpatron auch bei Fußleiden angerufen – für uns Marathonläufer also genau der Richtige! Hauptverehrungsort ist St. Wolfgang am Wolfgangsee, beides nach ihm benannt. Hier suchte er einen Ort zum Bau einer neuen Kirche, schmiß daher eine Axt weg, um sie drei Tage später wiederzufinden und exakt dort das Gotteshaus zu errichten. Ein ganzer Kerl also, der heilige Wolfgang. Folgerichtig wurde der Erstgeborene meiner Eltern, ein properes Kerlchen voller Lebensfreude, Anmut und Schönheit, nach ihm benannt. Quasi „back to the roots“ berichten wir also vom Wolfgangsee.

Ein paar Tage sind wir schon in der Gegegend, u.a. haben wir aus der Grenzregion Steiermark/Salzburg vom Wilde Wasser Lauf in Schladming auf trailrunning.de berichtet. Ins Salzkammergut umgezogen, residieren wir als Verehrer Peter Alexanders angemessen im – nein, Schleichwerbung wollen wir keine betreiben, wo kämen wir denn da hin! Nur so viel sei gesagt: Im Schwarzen Pferdl am Wolfgangsee sammer ned. Esther, wir vermissen Dich! Was tut man nicht alles zur Vorbereitung auf den großen Lauf: Man jagt die Gattin auf Schusters Rappen 1.192 m in die Höhe auf den Schafberg, läßt sich zum Ausgleich rund um den See schippern, umrundet den Schwarzensee, joggt hier, joggt da. Kurzum: wir lassen es uns gutgehen, die Gegend ist wirklich sehr schön.
 

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Das weiß auch der Chef und reist daher nebst seiner besseren Hälfte ebenfalls an, um für die Hochglanzfotos zu sorgen. Jede Menge Disziplinen werden hier angeboten, „Mythos und Leidenschaft“ verspricht man uns bei DEM Erlebnis- und Landschaftslauf Österreichs. Der Klassiker ist natürlich der 27 km-Lauf einmal um den See herum, dabei ist es jedoch nicht geblieben. Wem das zu viel ist, kann sich auf 10 bzw. 5,2 km beschränken. Die Hardcore-Marathonsammler bekommt man jedoch mit solch einem Unterdistanzlauf, und sei er noch so schön, nicht gelockt. Daher ist man vor vier Jahren auf die glorreiche Idee gekommen, 15 km Anlauf vom mondänen Bad Ischl anzubieten, um dann die Hauptlaufstrecke zu absolvieren, und schon kamen auch die Marathoner. Insgesamt, das darf mit Freude vermeldet werden, steigen die Teilnehmerzahlen seit Jahren ungebremst an.

Am Samstag gibt’s ab 13 Uhr die Startunterlagen im Parcher-Haus in St. Wolfgang. Ein schönes Rahmenprogramm inkl. Lauftechnik-Check, Körperfettmessung, Pasta-Party, Live-Mucke und vieles mehr bilden v.a. am Abend den passenden Einstieg auf morgen. Wir treffen, fast wie bestellt, Kollegen Herbert Orlinger und Helmut Linzbichler nebst Gattin Brigitte, küß die Hand. Zu spät erst wird mir klar, daß das ein ehemaliger Trans-Amerika-Läufer ist, dessen Buch über diesen Event ich zuhause (und auch aufmerksam gelesen!) habe. Vor lauter Quatschen vergessen wir leider ein gemeinsames Foto zu machen. Herbert ist bedauerlicherweise erkältet und hat auf den Panoramalauf umgemeldet.

Auch meinem Freund „Dorfi“ nebst Freundin und dem „Bergdoktor“ laufen wir über die Füße, diese Treffen sind mir immer wieder Anlaß zu großer Freude. Michael Dorfstätter läuft unter dem Motto: „7 Grundsätze. 7 Termine. 7 Läufe.“ als laufender Botschafter des Jugendrotkreuzes in diesem Jahr 7 Marathonläufe in Europa - für jeden Rotkreuz-Grundsatz, die in diesem Jahr 50 Jahre alt werden (Universalität, Einheit, Freiwilligkeit, Unabhängigkeit, Neutralität, Unparteilichkeit, Menschlichkeit) einen, Laibach und Verona stehen noch aus. Dabei begleitet ihn jeweils ein „Grundsätze-Team“ laufaffiner Rotkreuz-Freiwilliger. Nach Ulm bin ich schon das zweite Mal dabei.
 

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In Strobl kämpfen bereits am Mittag auf der Seepromenade die Kleinsten um Ruhm und Ehre. Am Sonntag müssen Elke und ich uns aufteilen, ein gemeinsames Frühstück bekommen wir dennoch hin, auch wenn die Betonung auf dem urlaubsfeindlichen „Früh“ liegt. Elke wird als 10 km-Teilnehmerin per Schiff nach Gschwendt gebracht (hierzu gibt es vier Möglichkeiten zwischen 9:02 und 10:10 Uhr, der Start erfolgt ab 10:30 Uhr in drei Blöcken). Mich verfrachtet man im Bus um 8:15 Uhr zum Start um 9:20 Uhr nach Bad Ischl, damit entgeht mir die Möglichkeit, mit kirchlichem Segen zu laufen, denn der Läufergottesdienst findet leider erst um 8:30 Uhr statt.

Bei „einer der bewegendsten Laufveranstaltungen“, so der rühtige OK-Chef Franz Sperrer, purzeln seit Jahren die Teilnehmerrekorde: Nach 4.084 Meldungen über alle Bewerbe im vergangenen Jahr verzeichnet man zum heurigen Voranmeldeschluß deren satte 4.378 aus 40 Nationen. Und das wird beileibe nicht nur bei den Schülern erreicht, nein, alle Bewerbe zeichnen sich gleichermaßen durch steigende Beliebtheit aus. Die absolute Zahl von 264 Marathonern hört sich jetzt nicht so gewaltig an, die relative, nämlich das Plus von gut 20 % dagegen sehr wohl. Nicht anders sieht es beim 27 km-Hauptlauf, dem Zugpferd, aus: Fast 2.000 wollten bis zum Donnerstag dabei sein, gute 500 beim 5,2 km Panoramalauf und fast anderthalbtausend beim 10 km-Uferlauf. Ein Bombenerfolg also schon vor den Start!

Jede Menge Elite, ein bunter Mix aus kenianischen Gazellen bis hin zu „Local Heroes“, bereichert die Szenerie. Besonders erwähnenswert empfinde ich als langsam in die Jahre kommender Mensch den Auftritt zweier Lauf-Methusalems, wenn Ihr mir diesen Ausdruck verzeiht: Der 83-jährige Norbert Schild ist dabei der Alterspräsident. Wer nun glaubt, Schild würde den 5,2-km-Panoramalauf in Angriff nehmen, der irrt. Vielmehr wird er die schwierigste Herausforderung der gesamten Veranstaltung, den Salzkammergut Marathon, laufen. Und trifft dabei auf den ein Jahr jüngeren „Jungspund“ Josy Simon vom Veranstalterverein LG St. Wolfgang, der erst vor zwei Wochen in Steyr eine neue M80-Weltbestmarke (53,948 km) im 6-Stunden-Lauf aufstellen konnte und letztes Jahr nach 4:26:55 Std. (!!!) ins Ziel kam. Schafft es Schild ins Ziel (er hat es tatsächlich gepackt), wird er der älteste Finisher sein, der jemals das Ziel beim Salzkammergut Marathon erreicht hat.

Das Feld der Läufer verteilt sich auf die Startorte, wir Marathoner fahren per Bus nach Bad Ischl, die Zehner per Schiff nach Gschwendt, die 5,2 km-Läufer nach Strobl. Für alle wird das Ziel an der Kirche in St. Wolfgang, nur hundert Meter entfernt vom „Weissen Rössl“ sein. Gibt es jemanden, der mit diesem Begriff nichts anfangen kann? Der Hotel, Theaterstück, Operette von Ralph Benatzky und Filme (v.a. mit Peter Alexander von 1960) nicht kennt? Dem sei mit dem musikalischen Slash Hammer geholfen:

Im "Weissen Rössl" am Wolfgangsee,
Da steht das Glück vor der Tür,
und ruft dir zu: "Guten Morgen,
tritt ein und vergiß deine Sorgen!"

Ortswechsel nach Bad Ischl, das seine Blütezeit zwischen 1849 und 1914 als kaiserliche Sommerresidenz erlebte, und wo sich Franzl und Sisi verlobten. Die zwischen 1829 und 1831 errichtete, in den sechziger Jahren gerade so vor dem Abriß  gerettete und zuletzt 2007 generalsanierte Trinkhalle ist der ideale Startpunkt: Trocken, warm und mit gescheiten Klos versehen. Die Schlange ist dieses Mal allerdings bei den Herren, worüber sich jede zweite Dame („Das ist sonst immer anders herum!“) beeumelt. Die Erwähnung des Reporters im letzten Newsletter bringt ihm die Gelegenheit, ein paar warme Worte ins Mikro des Moderators loszuwerden, dann werden wir vom Bürgermeister auf die 15 km lange Anreise zur Umrundung des Wolfgangsees geschickt.
 

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Die ersten Meter gehen noch durch Bad Ischl, vorbei an einigen Prachtbauten, danach rechne ich im Geheimen mit mehr oder weniger langweiligen 15 km Anlauf zum Wolfgangsee. Und werde sehr angenehm enttäuscht, denn fast drei km verlaufen unmittelbar am Ufer der Ischl, für einen Wasserliebhaber wie mich ein Hochgenuß. Ich freue mich, sehr bald auf den bereits erwähnten  Josy Simon, den neuen Weltrekordinhaber der M80 im 6-Stunden-Lauf zu treffen und beglückwünschen zu können. Ich möchte auch gerne mit 82 so fit sein und so gut aussehen! Den folgenden vierten km absolvieren wir über einen kleinen Trail, auch der ist so richtig nach meinem Geschmack. Weiter parallel zur Ischl, allerdings mit einigem Abstand, führt die Strecke weiter.

In Pfandl, der ersten Ortschaft, die wir nach Ischl durchlaufen, haben sich einige Zuseher eingefunden, die uns mit ihrem Applaus bereits Beine machen. Ich bin heilfroh, daß ich mitlaufen kann, denn am Straßenrand zu stehen und nur zuzuschauen, täte mir in der Seele weh. Und auch das wurde seinerzeit schon „Im weissen Rössl am Wolfgangsee“ erkannt:

Zuschau'n kann i net,
zuschau'n mag i net.
Wann i net selber bin dabei
bricht mir das Herz entzwei

Neidisch - bin i net
nein das - i net
aber zuschau'n, ich gesteh'
zuaschau'n tut halt goar so weh.

Danach gibt’s tatsächlich elf Landstraßenkilometer, die aber garniert mit jeder Menge schöner Landschaft, also alles andere als langweilig. Oliver ist als Ossi selber Marathonveranstalter, läuft mit seinem Wessi-Kumpel und grüßt auf diesem Weg einen gewissen Joe K., der mir persönlich leider unbekannt ist, vielleicht liest er ja diese Zeilen. Die erste von vielen, vielen Labestationen versorgt uns mit allem Notwendigen. In Radau ist es wider Erwarten ruhig, daher lassen wir es, wie vorher schon Kreutern, Wirling, später Rußbach und Bürglstein – dazu später mehr - bald hinter uns.
 

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Die ersten zehn km sind für mich wie im Fluge vergangen, der Lauf ist kurzweilig, die Gespräche angenehm, die Landschaft attraktiv, so kann es gerne weitergehen. Nach elf km stoßen wir auf die letzten km des 27 km-Kurses und lernen so schon mal das Ende unseres Laufs kennen. Für mich als derzeitigem Wahl-St. Wolfganger ist das schon fast ein Heimspiel, hier kenne ich jeden Meter, was die Kurzweil deutlich erhöht. Es ist geradezu unglaublich, schon sind die ersten 15 km vorbei, bevor ich sie richtig wahrgenommen habe. Ich glaube, das liegt daran, daß ich diese genau so wahrnehme, wie es auch vorgesehen ist: Es handelt sich schlicht und ergreifend nur um den Aufgalopp zur eigentlichen Strecke, auch wenn dieser für sich alleine genommen auch schon wirklich schön ist.

Weniger als 200 m vor dem späteren, spektakulären Zieleinlauf leitet man uns parallel nach rechts um, um uns 100 m hinter dem Zieleinlauf auf Höhe des Michael-Pacher-Haus in St. Wolfgang wieder auf den Hauptkurs zu lassen. Schön wäre es gewesen, an den ganzen auf ihren Start wartenden 27 km-Läufern vorbeizulaufen, aber dann hätte ich ich 15 km in 1:10 Std. laufen müssen, das ist für mich aber weder sinnvoll, geschweige denn machbar. Immerhin werden die ersten 5,2 km-Läufer im Ziel begrüßt, die in Strobl gestartet sind. Linkerhand tut sich erneut das herrliche Panorama des Wolfgangsees auf, und auch dort kenne ich jeden Meter der ersten drei km. Warum? Rund um den See sind nicht nur gefühlte hunderte Wanderwege ausgezeichnet, sondern auch diverse Laufstrecken mit Namen, Gesamtlänge und Streckenkilometern beschildert, eine sehr lobenswerte Einrichtung. Und die ersten drei km gehören zur mehrfach gejoggten Rieder Runde, die allerdings anstatt 6, wie angegeben, nur 5,2 km lang ist.
 

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Etliche der Hotels und Pensionen, die wir passieren, haben schon geschlossen, wie es überhaupt in der Woche vor dem Lauf sehr ruhig war, für uns ausgesprochen angenehm. Am Laufwochenende hat sich dies natürlich ins Gegenteil gewandelt. Linkerhand liegen, am Ufer fest vertäut, die beiden noch funktionsfähigen ersten beiden Schiffe, die auf dem See verkehrten, u.a. die „Kaiser Franz Joseph“. In Ried läßt sich links am Horizont ein mondäner Ferienhort erahnen, den wir vom Schiff aus gesehen haben. In beiden Weltkriegen wurde er militärisch genutzt, v. a. von der Kriegsmarine. Österreich und Kriegsmarine? Klar! Der letzte  Kriegshafen? Pula an der Südspitze Istriens.

Nach der Labestelle in Ried bei km 18 sehe ich einen Weg am Horizont steil aufsteigen, was nur eines bedeuten kann: Es wird ernst, der Falkenstein ruft! 220 Höhenmeter hinauf und hinab drückt man uns hier aufs Auge auf dem Weg nach Fürberg. Und schon, ich glaube meinen Augen nicht zu trauen, hole ich die letzten der 27 km-Läufer ein, die ich ab hier laufend einsammeln werde. Das ist sicher nicht nur für mich echt motivierend und Resultat einer klugen Startstaffelung. Die ersten gehen schon, für meinen Geschmack viel zu früh, aber ich freue mich, meine westerwaldgestählten Berglaufqualitäten ausspielen zu können. Wohl wissend, daß hier Unterstützung gefragt ist, haben sich viele Fans eingefunden, sehr schön!
 

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Sehr schön ist es auch, Brigitte, die Frau des eingangs erwähnten Transamerikaläufers Helmut Linzbichler auf ihren 27 km wiederzutreffen. Glücklicherweise werden wir uns nach der Siegerehrung nochmals treffen und die versäumten gemeinsamen Fotos machen. Mein Übermut wird umgehend bestraft, denn schon bald geht es steil bergauf. Wirklich steil bergauf, Laufen ist schnell vorbei. Aber es ist klasse, selbst im zügigen Gehen noch trippelnde Läufer zu überholen. Ja, so ein alter Harung, der hat Erfahrung!

Einige ganz wenige Bergabmeter bringen uns zur Spitze des Falkensteins. Dort steht die Wolfgangskapelle, ein Wallfahrtskirchlein, 1350 zum ersten Mal erwähnt. Der Legende nach flüchtete der hl. Wolfgang sich einmal vor dem Teufel auf den Falkenstein, als sich der Felsen vor ihm öffnete und ihn durchließ. Es ist die Höhlung, durch die die Pilger, in Spitzenzeiten bis zu 300.000 jährlich, durchkriechen. Sie durchquerten die Durchschlupfstelle ungeschaut und ungeschrien, das heißt ohne zurückzuschauen und schweigend. Von der Engstelle hieß es, dass sie auch der „Dickste, wenn er frei von Sünden ist“ begehen könne. Schwangere erhofften sich eine leichtere Entbindung. Das beruhigt mich persönlich jetzt doch enorm. Wenige Schritte vom Kirchlein weg ist in der Felswand eine Nische mit einem lagerartig geformten Stein, der die Schlafstätte des hl. Wolfgang gewesen sein soll, dessen Körpereindrücke man daran erkennen will. Das nützt mir allerdings herzlich wenig, denn ich muß weiter.
 

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Danach fällt der Weg schnell steil zum See hin ab und als ich den nach einer Kurve zum ersten Mal wieder vor meinem Auge habe, höre ich mich „Boah, wie geil!“ rufen. Um mich herum lacht alles, aber wir sind uns einig, daß das ein mehr als toller An- und Ausblick ist. St. Gilgen ist bereits auszumachen. Mein lieber Freund, geht das am Kreuzweg steil hinunter! Völlig egal, ich gebe Gas und überhole. Und büße das, blöd wie ich bin, natürlich noch Tage später. Von wegen alter Harung... In Fürberg haben wir den See wieder erreicht und bekommen an der Anlegestation wieder Atzung. 22 km sind geschafft, mir geht es blendend. Und schon wieder habe ich Peter Alexander, nur ganz leicht verfälscht, im Kopf:

Ja im Salzkammergut,
da kammer gut
sportlich sein,
wenn Franz Sperrer ruft, holdrio.

Ja im Salzkammergut,
da kammer gut
sportlich sein!
Es geht rauf und runter,
die ganze Strecke mitunter.

Unmittelbar am Ufer laufen wir auf herrlichstem Wanderweg weiter voran, das ist Balsam gleichermaßen für Auge, Seele und Geläuf. Schon in St. Gilgen habe ich ein Déjà Vu: Wie seinerzeit auf dem Bostoner Kurs gesehen, hat man ein ganzes Altersheim vor die Tür gesetzt und den Leutchen Abwechslung ermöglicht. So sitzen sie schön in der Sonne und feuern uns an. Ein herzliches „Vergelt's Gott!“, Haus Maria! Den schönen Dorfplatz kenne ich natürlich auch schon, denn im Café Dallmann haben wir so manche Köstlichkeit genossen. Wer weiß, wer hier noch regelmäßig Gast war? Richtig, unser Kanzler der Einheit, der in St. Gilgen jahrzehntelang urlaubte. Das ganze Café hängt voller Erinnerungen an ihn. Ich möchte nicht wissen, was hier gebacken war, wenn er mit seiner Entourage vor Ort war.
 

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Am Ortsausgang steht das Geburtshaus der Mutter Mozart, entsprechend ist der Bohei um ihren Sohn, der in St. Gilgen gemacht wird. Seine Schwester, die Nannerl, hat viele Jahre hier gelebt, ein weiteres Café ist nach ihr benannt. Damit ist die Westspitze des Sees umrundet und wir beginnen den gegenüber St. Wolfgang liegenden Teil. Auf dem über die sog. Franzosenschanze bei km 28 führenden Radweg geht es zügig voran. Klar, nicht für alle, aber bei mir läuft's super, ich bin nach wie vor hochmotiviert. Wetter, Stimmung, Verpflegung, Kondition, bis hierher stimmt alles. Gut, auf den parallel verlaufenden Autoverkehr könnte ich verzichten, aber der Streckenverlauf ist hier alternativlos (hört Ihr die „Mutti“ aus mir sprechen?). An einer von mehreren Stellen sind die offiziellen Fotografen plaziert und versuchen, uns vorteilhaft ins Bild zu bringen. Natürlich auch mich, daher lassen wir hier Sigismund Sülzheimer (natürlich auch wieder geringfügig, aber völlig unwesentlich) verändert zu Wort kommen:

Als Wolfi in der Wiege lag, da war es schon zu seh'n:
Das Kind wird wunderschön wie'n Standbild aus Athen!
Die Männer wurden grün vor Wut, die Mädchen in der Stadt,
Die sagten: Nur kein Neid! Wer hat, der hat!

Was kann der Wolfgang denn dafür, daß er so schön ist?
Was kann der Wolfgang denn dafür, daß man ihn liebt?
Die Leute tun, als ob die Schönheit ein Vergehn ist -
Man soll doch froh sein, daß es sowas Schönes gibt.

Was kann der Wolfgang denn dafür, daß er so schön ist?
Der Wolfgang ist nun mal ein süßer Kavalier,
Und daß er immer bei den Damen gern geseh'n ist,
Was kann der Wolfgang, ja der Wolfgang denn dafür?

Unweit der offiziellen Labestelle Gamsjaga steht ein Naturbursche, ein Mann wie gemalt, und strahlt mit der Sonne um die Wette. „Du schaust gut aus!“, sage ich ihm, bevor ich auf den Auslöser drücke. „Du aber auch!“ erwidert er, womit er natürlich recht hat. Und weil wir uns so gut verstehen, habe ich direkt ein Bier in der Hand. Ja, Anton und Joe, so etwas passiert nicht nur Euch! Mein laufender Nachbar zur Rechten schaut zwar mißbilligend, aber ich sehe das mittlerweile maximal entspannt, denn: Ein guter Schluck mit viel Aroma hält Opa jung und auch die Oma!
 

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Wir verlassen die Landstraße und biegen für ein kurzes Stück in ein schattiges Wäldchen ein, km 30 wird genommen. Für eine kleine Strecke haben wir das Ufer verlassen und nehmen quasi eine Abkürzung quer übers Land. Eine nette Brücke bringt uns über den Zinkenbach und wir erfreuen uns wieder an der lieben Sonne. So nähern wir uns der Ortschaft Gschwendt, in der mei Oide, ganz gschwind, zu ihrem 10 km-Uferlauf aufgebrochen ist und zum jetzigen Zeitpunkt schon frisch geduscht im Ziel sein müßte.

Ein wunderbarer Spazierweg ist der nächste Untergrund, fast trailartig geht es wieder zum See, der Bürglstein, ein riesiger, in den See ragender Felsen, ist bereits auszumachen. Ich weiß, daß die Panoramaläufer diesen im Gegensatz zu uns seeseitig über eine lange Bohlenbrücke passieren dürfen. Da entgeht uns echt etwas! Das jammere ich später dem Zimmermann Franz, dem „Erfinder“ und stolze 40 Jahre langen Gesamtleiter des Laufs (Vorgänger vom Sperrer Franz) vor und bilde mir ein, einen klugen Vorschlag gemacht zu haben. Weit gefehlt, denn der Franz fragt zu recht, wo er denn die Mehrkilometer einsparen solle? Nee, dann doch lieber wie gehabt an der tollen Trinkhalle in Bad Ischl starten. Gut, wenn man sich mit Erwachsenen unterhält!

Durch eine sehr attraktive Birkenallee nähern wir uns Strobl, dem Startort des 5,2 km-Panoramalaufs. Auch hier stehen etliche wunderschöne Ruhebänke, die mit wertvollen Informationen versehen sind, geschmackvolle Orte, an denen man gerne ist. „Gschma Platzl“ nennen sie hier solche netten Fleckchen. Dann ist auch der Startbogen der kürzesten Strecke unterquert und damit sind die letzten fünf km, in Strobl beginnend, angebrochen. Eine breite Teerstraße bringt uns über ein Gewässer wieder an die Landstraße in Richtung St. Wolfgang, wo zwar nur wenige, zu diesem Zeitpunkt aber unangenehme Höhenmeter auf uns warten. Aber auch die haben schnell ein Ende und für uns hat sich der Kreis geschlossen, denn die letzten vier km kennen wir bereits als km 11 bis 15. Daher lasse ich die Fotos für sich sprechen.
 

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In St. Wolfgang auf den letzten Metern erfolgt wieder das hochbeliebte Schaulaufen, jede Menge Leute haben sich eingefunden, uns den Abschluß dieses tollen Laufs zu versüßen. Unmittelbar auf die Kirche mit ihrem Pilgerbrunnen zu, das „Weisse Rössl“ zur Linken, geht es ein letztes Mal rechts um die Kurve und auf blauem Teppich sehr nett vom Moderator begleitet, hat dieser Lauf – wirklich! - leider schon sein Ende. Der Sperrer Franz fängt mich sofort ab und will wissen, wie es mir gefallen hat. Gerechnet hat er wahrscheinlich mit zwei Sätzen, bekommt aber diesen Bericht in Kurzform aufs Ohr gedrückt. Ja, lieber Franz, da mußtetst Du jetzt durch, situationselastisch quasi, wie der AUT-Verteidigungsminister beim Graz-Marathon! Seinem breiten Grinsen entnehme ich jedoch, daß er mit meinem Redeschwall gut umgehen kann.
 

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4 Stunden und fünf Minuten sind doch ganz anständig für einen älteren Herrn, entsprechend zufrieden bin ich auch damit. Und wenn die Zeit beim einen oder anderen nicht stimmt? Richtet Euch auf an den Worten aus dem „Im weissen Rössl am Wolfgangsee“ und schon geht’s leichter:

S’ ist einmal im Leben so,
andern geht es ebenso
was man möcht’ so gern,
liegt so fern!
Wenn man alles haben könnt’,
wenn man ohne Mühe fänd’,
was man nie erreicht,
dann wär’s leicht.
Doch man sieht allmählich ein,
man muss hübsch bescheiden sein.
Schweige und begnüge dich,
lächle und füge dich,
s’ist einmal im Leben so,
allen geht es ebenso:
g’rad der allerschönste Traum
bleibt nur Schaum!
 

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Ich bekomme eine tolle Medaille mit zwei (!) gestalteten Seiten, die einen Ehrenplatz an meiner heimischen Wall of fame erhalten wird. Mit leckerem Trank und Speis, u.a. frisches Müsli im Becher inkl. Löffel, mit Milch oder O-Saft (und damit für Veganer geeignet) sorgt man auch kulinarisch für gleichbleibendes Niveau. Niveauvoll, das ist die richtige Bezeichnung für diesen Lauf, und attraktiv, tadellos organisiert, kurzum: Es hat riesigen Spaß gemacht. Leute, auf nach St. Wolfgang am Wolfgangsee!

In Sankt Wolfgang am Wolfgangsee,
da steht das Glück vor der Tür,
und ruft dir zu: "Guten Morgen,
tritt ein und vergiß deine Sorgen!"

Und mußt du dann einmal fort von hier,
tut dir der Abschied so weh;
dein Herz, das hast du verloren
an den Lauf am Wolfgangsee!

Diesen Bericht gibt es auch mit sehr viel mehr Bildern auf Marathon4you.de!
 

Letzte Änderung am Montag, 29. Mai 2017