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1. Westerwald-Marathon am 11.04.2021


Mehr als ein Trostpflaster 10.0: Heimspiel

Unverändert sind die 100 MC-Läufe die Retter in der Not. Neun davon habe ich bereits absolviert, alleine, mit Hanne, mit Jürgen oder beiden. Immer freuen wir uns, wenn eine gute Seele einen Rundkurs vermißt und wir nach Zusendung eines Laufbeweises eine E-Mail mit Urkunde vom Veranstalter erhalten. Manche der guten Seelen bieten regelrechte Serien an, die i.d.R. auch gut nachgefragt sind.
 

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Mich plagt da schon mal das schlechte Gewissen, Leistungen in Anspruch zu nehmen, die man normalerweise nicht erhalten würde. Gut, völlig selbstlos ist das nicht, die Veranstalter profitieren ja selber davon, indem sie ihre Marathonzähler auch in der Coronazeit wieder und wieder um einen nach oben schieben können.
 

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Nun verfügen wir im rheinischen Westerwald ja selber über traumhafte Laufreviere, wie die zahlreichen Teilnehmer unserer verschiedenen Laufveranstaltungen immer wieder erleben können. Da fragt man sich schon mal: Sollte man auch? Langweilig wird es uns im Verein natürlich nicht, andererseits ist der organisatorische Aufwand für diese Klasse an “Wettbewerben” wirklich überschaubar. Andererseits sollte der Kurs nicht allzuviele Höhenmeter aufweisen, ein durchaus schwieriges Unterfangen. Langweilig soll er ja auch nicht sein. Irgendwann kam Hanne und verkündete: Ich habe einen Kurs gefunden. Eine 8,2 km-Runde, fünfmal zu durchlaufen, macht exakt 41 km, plus eine Einführungsrunde von 1,2 km. Und “nur” rund 400 Höhenmeter insgesamt.  Gesagt, getan. Ralf “vermarktet, ,wir regeln alles vor Ort.
 

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Um 6:50 Uhr traben Hanne, Jürgen, der aus Haltern angereiste Christian und ich - selbstverständlich im coronakonformen Abstand zueinander - los, zwei Sprühdosen in der Hand. Natürlich muß die Strecke auch markiert werden, schließlich ist so mancher noch ganz Old School unterwegs, nämlich ohne GPS-”Träck”. Wir Vier zum Beispiel. Schnell erkennen wir, daß bei der nassen Witterung Sprühkreide völlig sinnlos ist, da sie fast sofort verläuft. Also behelfen wir uns, so schonend wie möglich, mit permanenter Markierungsfarbe. Die Zusatzrunde nehmen wir natürlich direkt am Anfang,  denn psychologisch ist es nicht so geschickt, nach 41 km am Auto zu stehen und dann nochmal 1,2 km laufen zu dürfen. Das Oval  um den Sportplatz ist schnell gedreht und schon geht es auf die große Runde. Wir haben vor, die zweite Runde in umgekehrter Richtung zu laufen, damit wir alle heutigen Teilnehmer auch mal sicher in Augenschein nehmen können.
 

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Die dritte laufen wir wieder in “richtiger” Richtung, dafür die vierte erneut umgekehrt. Auf dieser nehme ich die Kamera mit, daher erfolgt die Streckenschilderung in umgekehrter Richtung. Ich weiß, durchaus eine Herausforderung ans Abstraktionsvermögen! An den beiden Fußballplätzen und einigen Häusern vorbei überqueren wir die Wiedtalstraße in Richtung der Fußgängerbrücke über die Wied, die wir auf dem Rückweg überqueren werden. Wunderbar auf der Wiedpromenade erreichen wir bald die Straßenbrücke, die in Richtung Linz führt. Auch diese wird an ungefährlicher Stelle überquert, schon ist der Roßbacher Campingplatz erreicht. Hinter dem geht’s schon über die dritte Brücke auf den Radweg in Richting Arnsau, einer zu Dattenberg gehörenden Gaststätte mit großem Campingplatz. Parallel der Wiedtalstraße kommt man über Niederbuchenau und den Gutshof Oberbuchenau schnell an den Wendepunkt. Einige Mitstreiter begegnen uns, die einen mehr, die anderen weniger freundlich in die Kamera oder daran vorbei schauend. Insgesamt werden es zwischen 15 und 20 gewesen sein, die sich in einem Startzeitfenster von 7 bis 11 Uhr auf 8,2 km verteilen.
 

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Hatte uns die Wettervorhersage noch am Wochenanfang  zwölf Stunden Sonnenschein vorzugaukeln versucht, hat uns die Realität eingeholt: Saukalt und Regen. Was hilft’s, da müssen wir eben durch. Schade ist es aber wirklich, denn noch am Donnerstag war der Weg trocken und daher gut zu belaufen gewesen. Mit jeder Stunde wird es matschiger. An der Arnsau wird die vierte Wiedbrücke genommen und dann beginnt der richtig tolle Teil der Runde, ein ca. 3 km langes Naturstück teilweise unmittelbar an der Wied verlaufend. Wurzelig, steinig, trocken schon durchaus eine Herausforderung. Wir sind wirklich glücklich, von nicht Wenigen ungefragt ob der Strecke gelobt zu werden. Hanne fällt sichtbar ein Stein vom Herzen. Wie schon auf dem Hinweg, dort auch Elke und Hildegard, die eine Runde unter die Füße genommen haben, begegnen uns einige nette Menschen. U.a. Josef, der es sich, mit Kamera bewaffnet, nicht hat nehmen lassen, nach dem Rechten zu sehen.
 

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Dirk treffen wir mehrfach, der sich nach seiner Herz-Op erstmals wieder an die 42,2 km herantraut und die auch sicher geschafft hat. Benni, der Koblenzer, rauscht in einem Affenzahn an uns vorbei und wird in sagenhaften 3:32 Std. vermutlich der Schnellste gewesen sein. Dietmar läßt es in gehobenem Alter vernünftigerweise sehr ruhig angehen, was man sich mit rund 800 Marathons auf der Habenseite wohl auch leisten kann. Der Weg wird wieder besser, wir kommen oberhalb des Roßbacher Campingplatzes wieder in bewohnte Gefilde und passieren zum zweiten Mal  die nach Linz führende Straße. Auf der anderen, der rechten Wiedseite hoppeln (über diesen Ausdruck freut sich Hanne immer wieder) wir zur ersten Hängebrücke, überqueren erst die Wied, dann erneut die Wiedtalstraße und sind nach einer Tennis- und Sportplatzumrundung wieder an Start und Ziel.
 

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Puh, das war insbesondere auf der finalen Runde eine wirkliche Herausforderung und wir sind froh, sie in wenig mehr als fünf Stunden in Bewegung unbeschadet gemeistert zu haben. Ein wenig stehen wir noch herum, fachsimpeln und füllen die geleerten Speicher wieder auf. Im Nachgang erreichen uns doch tatsächlich einige freundliche E-Mails mit der Bitte um Wiederholung. Wer mich kennt weiß, daß das nicht meine Art ist, ich liebe und brauche die Abwechslung. Natürlich steht einer zweiten Auflage nichts im Weg, dennoch verlassen mich nicht die Gedanken an eine Zweitauflage über einen neuen Kurs in meinem Dorf Waldbreitbach. Halten wir’s wie der “Kaiser” Franz: Schau’n mer mal. Fast vergessen: Danke für Deinen Beistand, Jochen!

Jetzt folgen die letzten Fotos und danach noch ein besonderes Schmankerl: Der Laufbericht unseres heutigen Begleiters Christian. Absolut lesenswert!
 

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Hallo Mädels,

kennt ihr Roßbach? Ja klar  ...   hab ich schon mal gehört  ...  glaub' ich.
Roßbach ist eine kleine, völlig zurecht verkannte Metropole im Westerwald und liegt zentral im Dreieck zwischen St. Katharinen, Waldbreitbach und Peterslahr. Aber auch Flammersfeld, Puderbach sowie Klein- und Großmaischeid sind gut zu erreichen. Vielleicht hat es bei "Waldbreitbach" bei manch einem geklingelt. Denn seit ein paar Jahren mache ich Werbung für den dortigen Staffelmarathon, den mein "Lauffreund" Wolfgang organisiert (hoffentlich kann der Lauf am 3. Oktober stattfinden). Als Wolfgang mir im Februar per WhatsApp einen Link vom "Westerwald-Marathon" schickte, dachte ich noch, das mir das zu weit weg sei. Zumal ich, wenn ich erst länger anreisen muss, zumindest gerne noch die Möglichkeit haben möchte, vielleicht vor dem Lauf noch eine "keramische Abteilung" aufsuchen zu dürfen. In der Ausschreibung steht aber, dass im Wald natürliche Toiletten zur Verfügung stehen.

Also halte ich erst mal still, frage ihn dann aber Ende März, ob er ggf. solch eine Möglichkeit schaffen könne. Prompt kam die Antwort; Hanne, die auch mitläuft, wohnt rd. 200 Meter vom Start weg. Ihr Mann, Hans-Hermann weiß Bescheid und würde mich dann reinlassen. Hanne und Wolfgang seien dann aber schon auf der Strecke. Zwischen 7 und 11 Uhr kann man starten; die beiden werden das um 7 Uhr machen.

Mein Hirn klingt sich kurzfristig aus, ich melde mich bei Ralf, der offiziell zu diesen Lauf einlädt, an und sage Wolfgang zu, dass auch ich um 7 Uhr starte. Solche leicht verrückten Entscheidungen sind ja normalerweise von mir üüüberhaupt nicht zu erwarten. Naja, wird schon irgendwie klappen. Irgendwann kurz vorher lese ich nochmal ein bisschen in der Ausschreibung. Da steht was von teilweise schmalen und unebenen Wegen direkt neben der Wied und dass man wegen erforderlicher Trittsicherheit lieber einen Gang runterschalten solle. Hmm; klingt ein wenig nach Geländelauf. Ach, bei trockenem Wetter geht das alles; kein Problem. Über mein Diensthandy schaute ich vor ein paar Tagen mal, wie denn das Wetter in Roßbach am Wochenende so werden würde. Hmm; Regen und kühl. Zwei/drei Tage später schaue ich nochmal über mein "normales" Handy: heiter bis wolkig und warm. Ha, die Prognose vor ein paar Tagen war wohl zu forsch. Und dieser Wetterbericht verstetigt sich; weitgehend sonnig und bis 19 Grad sollen es werden. Juchhu.

Vorsichtshalber gucke ich Freitag nochmal, als ich wieder mein Diensthandy in der Hand habe: Regen und kühl. Moooment, was läuft hier falsch. Eine kurze, technisch extrem versierte Recherche gibt Sicherheit. Mein Telefon sehnte sich offensichtlich nach Niederbayern. Denn dort gibt es auch ein Roßbach; und dort stand ein sonniges und warmes Wochenende an. So ein Diensthandy ist natürlich viel sachlicher und zeigte mir, wie das Wetter in Roßbach im Westerwald wird. Was ich nicht verstanden habe, ist, wieso mir aus unserem Lauftreff jemand dazu riet, dass ich Technik-Freak heute doch bitte darauf achten solle, das richtige Roßbach ins Navigationsgerät einzugeben, bevor ich losfahre.
Das habe ich das geschafft.

Wolfgang hatte ich nochmal angeschrieben, wie wir es genau handhaben wollen, um um 7 Uhr gemeinsam am Start zu stehen. Aber er sagt, Hanne und er starten wohl noch ein paar Minuten früher, weil die beiden die Strecke für uns ortsunkundige Läufer markieren. Das macht man i.d.R am Vortag; aber bei Regen ist die Kreide morgens wieder weg. Ralf hat den 15 Teilnehmern zwar einen GPX-Träck verschickt. Aber als Low-Tech-Fachfuzzi bin ich natürlich nicht sicher, wie ich die Daten in den Eierkocher eingelesen bekomme. Und außerdem vergesse ich bestimmt, den mitzunehmen. Da ich Wolfgang nicht erreiche, rufe ich Hanne an, die ich leider gar nicht kenne (er hatte mir ihre Kontaktdaten geschickt). Trotzdem quatschen wir sehr angeregt, sie scheint technisch ähnlich versiert, wie ich, aber sie kennt den Weg. Also machen wir ein Date aus; wir treffen uns ca. halb 7 bei ihr auf dem Gästeklo, dann ab zum Start, wo wir auf Wolfgang warten. Tja, wer mich kennt, der weiß: wenn ich eins drauf habe, dann Planung. Gut, einen gesonderten Trainingsplan hatte ich jetzt nicht, aber ich bin halt immer wieder mal gelaufen. Aber der Ernährungsplan war gut. Samstag Mittag gab es Nudeln.    Ganz schön ausgeklügelt, nicht wahr? Nachmittags bei meinen Eltern gab es ergänzend diverse Kohlehydrat-Plätzchen. Und darauf gönnte ich mir abends erstmal noch ein Mong-Scherie, ein After-Ääit und ein Schnäppschen. Und dann musste ich ja schon ins Bett, da der Radiowecker um 3:26 Uhr klingeln sollte. Spätestens um halb 7 musste ich ja bei Hanne auf dem Klo sitzen.

Nachts Morgens raus aus den Federn, den Kater versorgt und online kurz informiert, was es neues in der Welt gibt. Dann viel mir aber ein, dass das Radio doch ausreichend Zeit hätte, es mir im Auto auch zu erzählen. Dann alle schon gepackten Sachen vorsichtshalber nochmal gepackt und ab. 9 bis 10 Grad sollen es in Roßbach morgens werden; das ist ja nicht ganz so kühl. Hier sind 3,5 Grad; also abwarten. Außerdem habe ich nachts keinen oder allenfalls wenig Regen gehört. Jetzt fängt es an. Das hat sich das Wetter sicher für tagsüber aufgehoben? Nach einer halben Stunde sind es schon 4,5 Grad. Wenn die Temperatur in den nächsten anderthalb Stunden so weiter steigt, reicht es nicht. Doch je weiter ich in Richtung Süden komme, wird es tatsächlich etwas "wärmer". Und der Niederschlag? Och, ich weiß gar nicht, ob man das Regen nennen kann.    Denn es schüttet. Mit Badeanzug wird's gehen. Irgendwann nach gut 3 Stunden frage ich mich allerdings, warum ich immer noch nicht da bin und, warum so viele Kirchen hier plötzlich Zwiebeltürme haben.   Nein, das war Spaß; ich bin nicht in Niederbayern. Ich komme planmäßig und pünktlich an.

20 nach 6 parke ich vor Hanne's Klo. Meine Trainingshose, die ich drüber hatte, ziehe ich im Auto schon mal aus, meine Verpflegung, die auch mein Frühstück im Auto enthalten hatte, positioniere ich im Kofferraum. Dann geht die Haustür auf; Hanne hatte mich gehört. Wir quatschen wieder etwas, sie hat vorsichtshalber einen Kaffee für mich mitgekocht, wir "lästern" über Wolfgang und es ist ein bisschen so, als kennen wir uns schon länger. Hanne ist Bombe. Dann erfolgreich auf's Gästeklo und ab zum Start, wo wir unsere Kofferräume strategisch günstig platzieren. Wolfgang und sein Kumpel Jürgen sind auch gerade da, Wolfgang probiert seine beiden Dosen Sprühkreide aus und dann geht's auch schon los. Wir sind als erste auf der Strecke und markieren, wo es jeweils lang geht; die Strecke ist ja nicht abgesperrt. Ich nehme ihm eine Sprühdose ab und mache natürlich viel hübschere Pfeile. Eine kleine "Einführungsrunde" über gut 1,2 km, dann 5 Runden á 8,2 km. Es ist fast trocken bzw. regnet so wenig, dass wir es kaum wahrnehmen.

Doch Samstag hat es wohl heftig geregnet. Da, wo keine festen Wege sind, ist es schon ordentlich matschig. Aber es geht; auch dort, wo es ordentlich hoch und runter geht. Denn das Wiedtal im Westerwald ist wahrlich nicht der Niederrhein. Wir laufen ein ganzes Stück durch den Wald an der Wied entlang. Dann geht es runter und ich frage mich, was wir täten, wenn die Wied Hochwasser hätte. Das Wasser ist nur Zentimeter von unseren Schuhen entfernt. Und hier ist die Stelle, wo Laufen nicht ungefährlich sein kann. Über Stock, Stein und vor allem Baumwurzeln. Hanne läuft vor und meint, ich könnte sie ruhig überholen. Nöö, nix da; hier ist Vorsicht geboten. Mit Wolfgang und Hanne hatte ich vorher ja auch besprochen, dass wir 1. gemütlich machen, da die Strecke nicht einfach ist und 2. besonders gemütlich machen, da sie im nassen Zustand auch durchaus schwierig ist. Und wir wollten uns einen schönen Tag machen; auch wenn Wolfgang frotzelt, dass das vielleicht nix wird, wenn ich dabei bin. Unter 5 Stunden zu bleiben, haben wir gar nicht erst angestrebt. In der ersten Runde, brauchten wir für die Streckenmarkierung Zeit, die zweite und die vierte Runde sind wir andersrum gelaufen, um die anderen Teilnehmer mal zu sehen. Insgesamt waren es mit uns rd. 15, was dem Teilnehmerlimit entsprach. Dann blieben wir auch jeweils stehen, um kurz zu quatschen. Natürlich begegneten wir auch Ralf; und dann erfuhr ich, dass Hanne und Wolfgang sich diesen Westerwald-Marathon ausgedacht hatten. Sie hatten Ralf, der diverse solche Läufe organisiert und veranstaltet, aber gebeten, dass auch für ihren Lauf zu übernehmen, da er einfach weiß, wie es geht und in "der Szene" bekannter ist.

Jürgen läuft nach der 2. Runde sein eigenes Tempo und wir drei spulen eine Runde nach der anderen ab. Fast durchgehend sprechen wir miteinander, erzählen von interessanten Erfahrungen, machen Witze usw. So kommen wir ganz locker vorwärts. Nur da, wo wir über Naturwege laufen, wird es jede Runde matschiger. Und wenn es dann bergauf oder bergab geht, ist Laufen durchaus eine Herausforderung. Runter hätte man teilweise Skier gebrauchen können; und hoch kam man kaum, weil die Schuhe immer wegrutschten. Da wo etwas grünes wuchs war oder Laub lag, klappte es mit dem Auftreten halbwegs. Vor unserer letzten Runde gehen wir wieder in aller Ruhe an unsere Kofferräume und plötzlich sind 10 Läufer gleichzeitig da. Und wieder stehen wir mit Abstand in großer Runde und erzählen uns was. Marathon kann so entspannend sein.

Dann wurde der Regen leider etwas stärker. Auf den befestigten Wegen kein Problem, aber der Matsch war nun richtig matschig. Dann eben schön sachte. Auf der Stock-Stein-Baumwurzelstrecke lief ich nun vor und wollte mal gucken, ob man da überhaupt "laufen" kann. Ich konnte verhindern, mich auf die Fresse zu legen, und wanderte lieber wieder mit sicheren und möglichst festen Schritten durchs Gelände. In jeder Runde mussten wir über zwei Fußgänger-Hängebrücken. Da mit drei Leuten drüberzulaufen war klasse. Das Ding wippt ja irgendwann garantiert genau nicht so, wie man beim Laufen auftritt. Und bei einer Brücke waren so "Metallgitter-Stege" um da rauf- bzw. runterzukommen. Nass und mit Modder unter den Schuhen sah es bestimmt lustig aus, wenn wir darüber tänzelten.

Und dann waren wir schon durch. Dieser Lauf war so gemütlich und so entspannt, das war eine wahre Freude. Ich weiß gar nicht, ob ich das so schon mal so ungetrübt erlebt habe. Es war richtig schön heute. Regen und Matsch störten letztlich nicht die Bohne. Welche Zeit sind wir eigentlich gelaufen? So ganz genau weiß ich es gar nicht. Ich hatte die von Willi empfohlene App auf meinem Handy gestartet  ...  und dabei leider vergessen, meine "richtige" Uhr auch zu starten. Das habe ich aber ein/zwei Minuten später nachgeholt. Hanne hatte ganz vergessen zu stoppen und Wolfgang's Uhr hatte war auch zwischendurch mal kurz "weg". Willi's Äpp stoppt die Zeitnahme, wenn man länger stehen bleibt. Die zeigte eine vermeintliche 5:06 h netto; meine Uhr, die ich dann auch etwas länger habe laufen lassen zeigte 5:23 h. Mit dem, was Hanne's und Wolfgang's Zeitmesser so anzubieten hatten, wird das auch ein nicht unrealistischer Wert sein. Das ist auch mal schön, wenn die Zeit beim Marathon total egal ist. 

Nachdem die "Vanessa-App", die ich am Rhein-Herne-Kanal im Einsatz hatte, ja nicht zwingend mit Präzision überzeugen konnte, lieferte Willi's App nun eine vergleichbar schlechte Qualität. Hanne's und Wolfgang's Uhren bestätigten, dass die Strecke sogar einen Tick länger, als die klassische Marathondistanz ist. Meine Äpp meinte, es waren nicht mal 40 Kilometer. Dafür soll ich aber rd. 1.200 Höhenmeter geschafft haben; tatsächlich waren es etwa 400.
Wer weiß schon, woran das liegt. Bei allen anderen funktionieren die Apps offenbar reibungslos. Möglicherweise geht meine technische Affinität so weit, dass nur ich es schaffe, eine idiotensichere Anwendung zum Unfug zu bewegen. Naja, kann immerhin nicht jeder.

Aus unseren Kofferräumen versorgt, stehen wir noch ein bisschen zusammen. Ralf kommt etwas später auch ins Ziel; er war aber deutlich nach uns gestartet. Insbesondere Hanne hätte ich im Ziel gerne gedrückt  ...  aber die Corona-Regeln zwingen leider zur Vernunft. Beim Abschied bedanke ich mich bei beiden und sage, dass ich gerne eine Info haben möchte, wenn der Lauf wiederholt wird. Ralf sehe ich am 1. Mai wieder; dann veranstaltet er in Düsseldorf den Südpark-Marathon. Ich erzähle ihm, dass es terminlich etwas blöd gelaufen ist, denn am 2. Mai bin ich bei Michael zum Rhein-Herne-Kanal-Marathon angemeldet bin. Aber er meint, dann sehen wir uns ja zweimal. Naja, was jemand schafft, der schon mal 80 Marathons im Jahr läuft, das kann ich doch sicher auch, oder? 8 im Jahr schaffe ich sonst auch regelmäßig.

Aber jetzt wird's kühl. Die Trainingshose wieder an, ein Jäckchen drüber und ab nach Hause. Jetzt regnet es stark, dann kommt auch Schnee hinzu und es sind nur noch rd. 2 Grad. Gut, dass ich schon im Auto sitze. Und das auch noch voll euphorisiert, weil der Tag und der Lauf so schön und so gemütlich waren. Zu Hanne's Gästeklo komm ich nochmal hin ;-)

Bis die Tage
Christian

Letzte Änderung am Freitag, 16. April 2021