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5. Deichlauf Neuwied am 21.05.2010


Mein erster Barfußlauf

Ich war stolz wie Oskar, zu unserem Staffelmarathon in Waldbreitbach am  Tag der Deutschen Einheit 2009 den sympathischen Ultraläufer Dietmar Mücke, der als Pumuckl Spenden sammelt, gewonnen zu haben. Und der läuft grundsätzlich barfuß. Dies hat mir mächtig imponiert und ich versprach ihm, ihn eine 2 km-Runde zu begleiten. Gesagt, getan, das Resultat findet Ihr optisch auf meiner Startseite. Und weil ihm die gemeinsame Runde, genau so wie mir, gefallen hatte, durfte ich direkt noch eine  dranhängen. Und bezahlte das Ganze mit je einer Blase pro Fuß.

Natürlich hatte ich das vorher mal getestet. Als ich das aber meinem Weibe nahebrachte, fiel die fast in Ohnmacht: “Um Gottes Willen, wie peinlich! Warte, bis es dunkel ist!” Und ich wartete gehorsam und traf natürlich etliche Bekannte, die mich nicht unkommentiert ziehen ließen. Auf jeden Fall war mir klar, daß ich das mal in einem offiziellen Lauf ausprobieren wollte. Heute war es beim 5. Deichlauf auf der 5 km-Strecke soweit.

Einige Male hatte ich die letzten 2,5 km meiner Trainingsläufe barfuß zurückgelegt, um die Füße, v.a. die Sohlen, abzuhärten. Ging auch ganz gut. Aber natürlich wollte ich nicht nur barfuß laufen, sondern, wenn schon, richtig etwas daraus machen. Also wird das Clownskostüm aus dem Sommerschlaf geholt, das Gesicht angemalt, meine Tochter als Mitläuferin aktiviert (“Ich laufe aber nicht kostümiert!”), zwei Banner für unseren nächsten Malberglauf aktualisiert und schon geht es als laufende Litfaßsäulen bzw. Bannerträger  an den Start.

Ultralauflegende Birgit Lennartz mit Ehemann Udo Lohrengel stimmen mir grinsend zu, daß dies garantiert die optimale Vorbereitung für Biel sei... Na gut, bis dahin werden eventuelle Wunden schon wieder verheilt sein. Ich klebe die Ballen noch mit meinem Brustwarzenpflaster (Leukosilk) ab, das an der Brust super hält. Nach 200 m ist das Zeug schon wieder abgefallen, hat also keinen Zweck. Es muß halt ohne, sozusagen blanko, gehen.

Neuwied deichlauf_250

Wir reihen uns unmittelbar vor den eine Minute später startenden Walkern ein und ich bin mal GANZ HINTEN, das hat’s auch noch nie gegeben. Lustig ist es, alles grinst und so mancher Kommentar ist fällig, alles völlig entspannt. Selbstverständlich wird heute nur gejoggt, die Zeit spielt überhaupt keine Rolle. Der erste halbe km führt rheinabwärts in den Schloßpark. Auf dem Asphalt läßt es sich gut laufen, aber das ist im Park schnell vorbei. Ein kurzes Feinschotterstück ist echt unangenehm und ich versuche auf den grasbewachsenen Randstreifen auszuweichen. Bald sind wir aber aus dem Park heraus und wieder auf einer asphaltierten Straße, die uns, am Schloß vorbei, zurückführt.

Scheinbar ewig dauert es, bis das erste km-Schild erscheint. Am Deichtor stehen Trommler und viele Zuschauer. Erst einige ungläubige Blicke, dann ein breites Grinsen bei vielen und auch Beifall. Das ist schön, so habe ich mir das vorgestellt! Weiter geht es eine lange Gerade auf der Innenseite des Deichs. Tatsächlich überholen wir sogar einige und wer nicht völlig auf dem Zahnfleisch kaut, hat eine nette Bemerkung übrig. Noch halten die Füße, die Hälfte ist geschafft.

Kurz nach km 3 geht es um 180° in die Gegenrichtung den Deich hinauf. Großes Hallo an der Verpflegungsstelle, man kennt mich und wundert sich schon lange über gar nichts mehr. Haben wir vorher zu den Schnelleren hinaufgeschaut, stellen wir erschüttert fest, daß es noch Langsamere als uns gibt. Ich feuere die mit mir Laufenden an: “Ich will keinen von Euch hinter mir sehen!”, aber darüber kann nicht mehr jede(r) lachen, die Erschöpfung ist bei einigen doch schon fortgeschritten. Die Kopfsteinpflasterpassage ist auch gut zu überstehen und herunter vom Deich steht schon der letzte km an. Den Haxen geht es blendend. Vicky schwächelt etwas, weil ihr die Transparente schwer werden, aber es sind doch nur noch ein paar hundert Meter.

Werbelaefer beim Deichlauf 2010 a_500

Ein feines Schaulaufen gibt es auf den letzten paar hundert Metern, wo sich auch schon etliche 10 km-Läufer zum Start eingefunden haben. Josef, der heute für mich die Moderation übernommen hat, schießt ein paar Fotos und die Zuschauer haben ihren Spaß. Den hatte ich auch, die Füße haben gehalten, und auch ein Krombacher kann man mal trinken, wenn’s umsonst ist. OK, beide Ballen schmerzen leicht exakt in der Mitte, aber nach Blasen sieht es nicht aus. Bis man mal den Dreck runter hat! Die Teerflecken (ja, wirklich!) sind auch am nächsten Tag noch zu sehen. Egal. Am nächsten Morgen bleibt der Druckschmerz in der Mitte beider Ballen, aber Blasen hat es nicht gegeben. Also kann ich nachher auch noch ein paar km (in Schuhen!) drehen.

Dies, lieber Dietmar, habe ich bestimmt nicht zum letzten Mal gemacht! Auch wenn die Barfußstrecke sicher nicht länger sein muß. Probiert es einfach mal aus: Mut gezeigt, Schuhe aus und los geht’s!
 

Werbelaefer beim Deichlauf 2010 b_500

Letzte Änderung am Montag, 29. Mai 2017