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“Karriereknick” am 23.04.2011
 

Aua!

Ich hätte es wissen müssen: Exakt an dieser Stelle hatte ich mich schon einmal fast überschlagen und - Entschuldigung! - auf die Fresse gelegt. Gute 500 m von zuhause entfernt, führt ein schmaler Trail vom Friedhof bergab. Und da lugt - jetzt weiß ich es - im Gras verborgen, ein Stein einige Zentimeter in die Höhe. Hoch genug,  um mit dem rechten Fuß daran hängenzubleiben. Genau gesagt, mit der mittleren Zehe des rechten Fußes, und das volle Möhre. Selbstverständlich hatte ich, um die Wirkung noch zu steigern, meine Zehenschuhe an.

Der Schreck war groß, der Schmerz größer, deutlich größer. Trotzdem ging es noch einigermaßen rund nach Hause, dann aber nahm das Schicksal seinen Lauf, der Zeh Farbe an und der Mittelfuß an Umfang zu. Das Resultat im Bild:

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Danach war zunehmend Humpeln angesagt und am nächsten Tag führte mich der Weg in die Ambulanz, um zu wissen, ob es denn ein Bruch (wo genau?) oder doch “nur” eine veritable Verstauchung ist. Das Roentgenbild brachte es dann an den Tag:

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Der dritte Zehenknochen ist zweimal längs gebrochen. Daraufhin gibt es einen wunderschönen Tapeverband, den ich, wöchentlich gewechselt, vier Wochen lang tragen darf. Danach wird es eine Kontrollaufnahme geben und in ca. sechs Wochen darf ich wieder trainieren. Kacke! Adé Geburtstags-Fünfziger beim Jörg, adé Rennsteiglauf. Autofahren darf ich auch nicht. Der Frust sitzt tief.

Aber wie immer tröstet mich der Gedanke, daß es viel schlimmer hätte kommen können. Und daß ich noch in der letzten Woche zwei Ultras habe laufen können. Also führt der Blick natürlich in die Terminliste von marathon4you.de um zu schauen, wo denn das Comeback stattfinden könnte. Nachtmarathon im Marburg am 1.7.? Wir werden sehen. Vorerst vergnüge ich mich aber an diesem Anblick:

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Und bin zum Abschluß doch schon wieder etwas versöhnt: Es gibt nämlich eine für mich ungewöhnliche Möglichkeit, mich müde zu machen. Nein, nicht das, was Ihr jetzt denkt, sondern das gute alte Fahrrad. Mit dem Mountainbike läßt es sich glücklicherweise gut fahren, der Druck aufs Pedal mit dem Mittelfuß ist schmerzfrei. Vielleicht läßt sich ja auf diese Art und Weise ein Rest der Form konservieren und ich muß Anfang Juni nicht bei Null anfangen.

Eines ist sicher: Wenn ich wieder einigermaßen gehen kann, werde ich mich mit Hammer und Meißel auf den Trail begeben und tun, was getan werden muß!

Nachtrag vom 29.04.2011:

m4y-Coach Andreas Butz riet mir auf Nachfrage, seinen Freund und (u.a.) Sportmedizinier Michael Frommhold zu konsultieren. Tags darauf war ich bei ihm und er erwies sich schnell als ebenso kompetent wie verständnisvoll. Der ursprüngliche Tapeverband sei schlecht, weil er nicht die Diagonalen stütze sondern vielmehr die Längsrichtung sowie Rotationsvektoren. Heißt: Neu tapen. Das Resultat sieht man rechts. Mit vielen Tips, auch über das eigentliche Problem hinaus, versehen, verlasse ich seine Praxis in Rheinbach und muß mir nach seinen Aussagen keine Gedanken über meine Form machen, wenn ich brav weiter radfahre. Gleich gehe ich mir Klickpedale und -schuhe kaufen...

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Nachtrag vom 10.05.2011:

Heute war ich noch einmal zum Nachsehen beim Doc. Auf meine vorsichtige Frage, wann ich denn wieder laufen dürfte, hörte ich es wie Glockenklang in meinen Ohren: “Wenn es geht, ab sofort.” Klare Sache, daß das sofort ausprobiert werden mußte. Zur Info: der Tapeverband ist schon seit ein paar Tagen ab. Das Laufen war allerdings leider ein Waterloo: Jeder Schritt tat weh und nach einem km habe ich die Sache abbrechen müssen. Wäre das bei km 36 im Marathon gewesen, hätte ich mich durchgebisssen, aber hier machte falsches Heldentum wirklich keinen Sinn. So muß ich weiter Fahrradfahren und mich in nicht vorhandener Geduld üben.

Nachtrag vom 17.05.2011:

Der zweite Laufversuch am Sonntag war nicht ganz so frustrierend, aber nach 2 km habe ich den sicherheitshalber beendet. Heute, drei Wochen und drei Tage nach dem Bruch habe ich endlich schmerzarm gute 5 km durch den warmen Wald zurückgelegt, die Vöglein zwitscherten und der Herr Bernath war bestens gelaunt. Die neuen Schuhe mit guter Dämpfung waren in jedem Fall eine gute Investition. 40 €. Bei Deichmann. Im Ernst, Bewertung unter “Lauftips/Schuhe”. Jetzt werde ich es aber nicht übertreiben, morgen “nur” radfahren und am Donnerstag einen zweiten Versuch wagen Es scheint aufwärts zu gehen!

Nachtrag vom 22.05.2011:

Nachdem ich gestern mein neues Rad (mit Klickpedalen!) ausgiebig getestet hatte, konnte ich heute den Hintern kaum bewegen. Trotzdem habe ich den nächsten Laufversuch gestartet, der, besser als erwartet, zunächst über 6 km mit Elke und dann noch einmal 11 km mit 400 Höhenmetern ging. Die Beschwerden halten sich in Grenzen, so daß ich der kommenden Woche, 29 Tage nach dem Bruch, die Umfänge langsam wieder in Richtung Normalmaß erhöhen werde.

Derart beflügelt, wurde heute endlich getan, was getan werden mußte. Der - im wahrsten Sinne des Wortes - Stein des Anstoßes war bei näherer Betrachtung gar keiner, sondern eine Wurzel mit einem aufrecht stehenden Ende. Trotzdem kamen rachsüchtig Hammer und Meißel zum Einsatz und damit ist diese Gefahr ein für allemal erledigt.
 

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Letzte Änderung am Montag, 29. Mai 2017