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62. Silvesterlauf Gummersbach am 31.12.2019

Gretel zum Trotz

Endlich läßt der Terminplan wieder einen Silvesterlauf zum Jahresabschluß zu. Doch wohin? Die in akzeptabler Entfernung hat man alle schon durch, neue sprießen nicht aus dem Boden. Die guten Erfahrungen lassen uns nochmal einen Blick auf die Seite der LG Gummersbach werfen, auf der sich außer dem Datum nichts geändert hat: Wenig mehr als eine Autostunde entfernt, Start um 11.10 Uhr über 10,7 km bei 266 Höhenmetern und als „ältester und härtester Silvesterlauf Deutschlands” - 62. Ausgabe - bezeichnet – das ist genau unsere Kragenweite. Schon sind Elke und ich angemeldet.

Jürgen ist schon eingetroffen, wegen unserer Einladung bei Doris und Klaus in „Hüppi” mußte er leider alleine fahren. Startnummernausgabe, Umkleide, Duschen, Kaffee, Kuchen & Co., Siegerehrung finden alle in einer Sporthalle unmittelbar am Stadion Lochwiese/Kerberg statt. Dort erfolgen sowohl Start als auch Zieleinlauf.

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Nach den Schülerläufen geht es um 11 Uhr für ein ordentliches Feld von knapp hundert 5 km-Läufer los, zehn Minuten später dürfen auch die Läufer über die Hauptstrecke, 217 an der Zahl (Rekordbeteiligung?) mit dem Schweißvergießen beginnen. Das Wetter ist gut: Bedeckt, aber frostfrei, zumindest im Tal.
 

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Gretel
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Doch was ist das? Es zischt, es raucht, es knallt – eine Silvesterrakete steigt zum Start auf. Eine S-I-L-V-E-S-T-E-R-R-A-K-E-T-E!!! Ach Du lieber Himmel! Diese Feinstaubbelastung! Der CO2-Ausstoß! „How dare you?“ höre ich eine kleine, ferngesteuerte, bezopfte Schulschwänzerin mit tränenerstickter, zittriger Stimme winseln. Offensichtlich kratzt das alles aber niemanden, denn im Schweinsgalopp flitzen wir quer über das Kunstrasen-Fußballfeld. Wobei ich weniger flitze, denn meine schwere Erkältung ist gerade erst am Abklingen, da ist Vorsicht angesagt. Das angenehme Laufgefühl über den weichen, guten Untergrund hält jedoch nicht lange an. Eine erste kleine Steigung führt uns über die einzigen max. 200 m Asphalt, dann verschluckt uns der Wald und bietet gute 10 km unterschiedlichste Bodenbeschaffenheiten. Kaum im Wald angekommen, steht alles, Stau vor einigen geländerbewehrten Serpentinen. Gut, daß ich keine Hektik habe, so ist es mir egal, hier bestimmt zwei Minuten liegenzulassen. Wer hier wirklich ungehindert durchkommen möchte, muß ganz vorne dabei sein. Kaum oben und wieder frei laufend, empfängt mich die erste Matschpassage.
 

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Wunderbare Waldwege sind zu nehmen, es läuft trotz der noch nicht ganz überwundenen Erkältung rund. Nein, Fieber habe ich natürlich keines, sonst wäre ich nicht angetreten. Den Marathon, den ich vorgestern auf dem Schirm hatte, habe ich natürlich ausfallen lassen müssen. Ah, hier ist schon der Wiesenweg, ein reiner Trampelpfad. Dem folgt eine feucht-matschige Bergabpassage, die allerdings witterungsbedingt in bedeutend besserem Zustand ist, als ich es von 2013 in Erinnerung habe. Was bin ich da heruntergeeiert!

Etliche Streckenposten sichern uns beifallklatschend gegen mögliche Verlaufer ab; durch viele, mit flotten Sprüchen versehene Schilder versuchen uns die Veranstalter zu erheitern. Jedes davon ist witzig, zumindest in meinen Augen. Aber, o weh! Wie hat hier die Holzwirtschaft gewütet! Riesige Waldflächen sind abgeerntet worden, die Wege eine Katastrophe, wenn nicht, ja wenn es sich hier nicht um einen Crosslauf handeln würde. Also paßt alles. Zum Glück ist hier oben die Oberfläche angefroren, sonst wären wir bereits jetzt schon bis über die Knöchel im Schlamm versunken.
 

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Gut zu belaufende und arg malträtierte Wege mit unterschiedlichsten Untergründen wechseln sich ab. Wieder kommt nach erfreulicherweise nur kurzer Erholung eine Cross-Passage, gefolgt von wieder festeren Wegen, die uns zum dritten Mal über die Kreuzung der beiden Läufe führt. Jetzt dürfen wir steil bergab springen, ich weiß es auch ohne den Hinweis des Streckenpostens: „Jetzt geht es nur noch bergab!“ Der Hohlweg hat nochmal alles parat, was das Herz des Trailläufers höherschlagen läßt. Hunderte von Metern Matsch, Sumpf, Schmodder, um mich herum fallen die letzten Hemmungen – Augen zu und durch! Unfallfrei wird die kleine, schlüpfrige Brücke genommen. Hinter mir hechelt ein Laufkamerad, im Selbstgespräch aus dem letzten Loch pfeifend: „Jetzt hab ich's gleich geschafft! Nein, noch nicht! Reiß Dich zusammen!“ Was für ein peinliches Elend, den lasse ich nicht vorbei. Also schreite ich aus, so gut es geht, und auf bestens zu belaufendem Weg rase ich im Schweinsgalopp Richtung Stadion. Er kriegt mich nicht. Schon ist der Sprecher zu hören, die kurze Asphaltphase wieder erreicht, das Stadion in Sicht und die Ziellinie passiert.
 

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Klaus ist schon da, Elke leider unterwegs ausgestiegen. Mit vielen bekannten und bisher unbekannten netten Menschen wird bei warmem (allerdings zu knapp bemessenem) Tee noch ausgiebig gefachsimpelt, dann geht’s nach Hüppi zum zweiten Frühstück. Abends wird noch die Einladung bei Anita und Josef folgen. Ein wirklich harter Tag nimmt seinen Lauf. Schön war's wieder!
 

Letzte Änderung am Mittwoch, 1. Januar 2020