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15. Fliegerhorstlauf in Köln/Wahn am 08.03.2017


Kalt, naß, fies

„Frühlingsgefühle”. So ist mein Bericht von vor zwei Jahren betitelt. Nett und warm war es, und es konnte das erste Mal in Kurz gelaufen werden. Und dieses Jahr? Am Abend des Vortages zieht ein riesiges Regengebiet von Westen aus über die Republik und beschert uns anderthalb Tage Dauerregen, der die Wied zum Überlaufen bringt. Entsprechend ist meine Begeisterung, aber angemeldet ist angemeldet und man selber ja kein Weichei. Bei 5° Außentemperatur und mit den Scheibenwischern im Dauereinsatz nähere ich mich dem Veranstaltungsort, der Luftwaffenkaserne in Wahn.

Strecke_300

Über 400 Gleichgesinnte haben vor- oder nachgemeldet, wie ich an den Startnummern erkennen kann, rechne jedoch mit massiven, wetterbedingten Ausfällen. Das Einlaufen verschiebe ich auf den spätestmöglichen Zeitpunkt und drücke mich lange in der warmen und vor allem trockenen Sporthalle herum. Letztlich nutzt keine Verzögerungstaktik mehr und ich verbringe zum Einlaufen ein paar Alibiminuten auf den Wegen der Liegenschaft. Die eine oder andere Pfütze nehme ich dabei notgedrungen schon mit, daher sind die Schuhe innerhalb weniger Minuten feucht und bereit zur Aufnahme größerer Wassermengen.

Etwa im ersten Drittel der Startaufstellung außerhalb des Sportplatzes stehend bemerke ich, wie ein Uniformierter versucht, sich Gehör zu verschaffen. Mir ist durchaus bekannt,  daß die Armee gewaltige Ausrüstungsprobleme hat. Daß es jedoch nicht mal mehr zu einem Megaphon reicht, erschüttert mich dann doch. Außer der ersten Reihe dürfte niemand etwas gehört haben. Irgendwann sehe ich eine hocherhobene Startpistole. Peng, und es geht los.

Der Kurs der heutigen 15. Auflage weicht zum ersten Mal von dem der Vorgängerveranstaltungen ab, und das zu 100%. Bedingt durch Kanalisationsarbeiten, die schon seit Jahren durchgeführt werden und schon in den Vorjahren zu einigen Baustellen führten, ist der ansonsten im Wesentlichen zweimal in der Kaserne gleich abzulaufende Zickzackkurs nicht verfügbar. Geradeaus geht es im Schweinsgalopp zum Kasernenzaun und links abgebogen in Richtung Haupttor. Leicht abwärts führend ist der erste km in 4:34 min. genommen. Rund dreihundert Meter weiter verlassen wir die Kaserne und biegen links  auf den parallel der Flughafenstraße führenden Radweg ab. Zweiter km in 4:42 min., dritter in 4:41 min., dann biegen wir nach rechts am Bundeswehrdienstleistungszentrum ab. Es läuft besser als gedacht, die erwarteten Zipperlein mangels jeglichen Tempotrainings melden sich nicht.

Die vierte km (4:39 min) führt uns zunächst auf breiter, asphaltierter Straße, später über einen frisch geschotterten (aber verdichteten) Waldweg in die Wahner Heide, die in Resten tatsächlich noch vorhanden und als solche zu erkennen ist. Ich bin angenehm überrascht, die Laufstrecke ist durchaus als nett zu bezeichnen. Nicht umsonst, so hat mir Iris erzählt, werden die hiesigen Wege gerne zum regelmäßigen Training genutzt. Die folgenden vier km sind als Viereck zu nehmen. Vorbei an Heide, leichter und stärkerer Bewaldung und durch ebensolchen Regen nehmen wir den folgenden Abschnitt unter die Füße. Halbzeit ist bei 23:37 min.; das ist gar nicht mal so schlecht hinsichtlich dessen, was ich erwarten durfte. Unter 48 min. zu bleiben sollte also möglich sein.

Erwartet habe ich auch den Wechsel des Untergrundes zwischen den km 4 und 6, der als völlig matschiger Waldweg angekündigt war. Dem ist tatsächlich aber nicht ganz so, dafür ist der Untergrund zu fest. Allerdings versuche ich, meist erfolgreich, den matschigsten Passagen und zahlreichen Pfützen auszuweichen. Mit Ende des siebten, wieder asphaltierten km (4:42 min.) bin ich am Ende des Vierecks angelangt und auf dem Rückweg. Die km 8 bis 10 entsprechen den km 1-3, da weiß ich, was kommt. Es gelingt mir, weiter vergleichsweise zügig voranzukommen. Kurz hinter km 8 (4:42 min.) steht Udo Lohrengel und ruft mir irgendetwas von einer wo auch immer plazierten Frau zu, und ich sollte die Beine unter die Hände nehmen. Die darf von mir aus aber gerne überholen, da bin ich völlig schmerzfrei. Tut sie aber nicht. Beim neunten km (4:38 min.) bin ich schon längst wieder in der Kaserne und laufe, leicht ansteigend, am Zaun zurück. Rechts abgebogen darf ich am Ort der Startaufstellung nach links auf den Sportplatz laufen, wo es nach 46:29 min. geschafft ist, ohne daß ich mich völlig geschafft fühle. Damit lande ich auf Platz 100 von 296 insgesamt und Ak-PLatz 7 von 24. Zehn Sekunden schneller wäre ich Ak-Fünfter geworden. Meine Suunto bestätigt die sensationelle Zeit von 4:03 min. für den letzten km: Die Strecke mit 52 Höhenmetern ist demnach 130 m zu kurz.

Trotzdem: Über die Durchschnittsgeschwindigkeit von 4:39 min./km (auf 10 km) darf und will ich mich nicht beklagen, das ist für meine Verhältnisse ganz ordentlich. Nach einem schönen, heißen Becher Tee und ebensolcher Dusche, bei der ein Kilo Heide wieder zum Vorschein kommt, bin ich schon bald auf dem Heimweg. Was mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist 18 Uhr. Mittwochs findet nämlich unser Lauftreff statt, und da kann ich schlecht fehlen. Ob des unverändert miesen Wetters löst sich leider die langsamste Gruppe, mit der ich nur ein wenig joggen wollte, auf. Auch sonst erscheinen nur die Härtesten der Harten. Also starten vier Mohikaner von sonst runden fünfzehn und mehr in schnellerem Tempo als mir lieb ist, zu einer zugegebenermaßen kurzweiligen Runde. Die ist nach 9,72 weiteren km zu Ende, man gönnt sich ja sonst nichts. Morgen wird regeneriert. Aber so was von!

Lauftreff

Letzte Änderung am Montag, 29. Mai 2017