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24. Marathon in Linz/Donau am 21.04.2026

Von Linz nach Linz

Seit vielen Jahren arbeitet er schon an ihm: Herbert, der Ur-Linzer/Donau, an Wolfgang, dem (als Waldbreitbacher) Fast-Linzer/Rhein. Nach vielen Jahren, in denen der Rheinländer regelmäßig anderen Läufen in der Hauptzeit der Frühjahrsmarathons den Vorzug geben zu müssen meinte, ist in diesem Jahr endlich mal Platz für eine Tour an die schöne blaue Donau. Die liegt für uns nicht unbedingt um die Ecke, weshalb das Ganze sinnvollerweise mit ein paar Urlaubstagen kombiniert wird, es soll sich ja lohnen. Aufgrund Herberts Empfehlung logieren wir im Arcotel Nike unmittelbar am Ufer, mitten zwischen den zwei km auseinanderliegenden Start- und Zielbereichen, und damit auch fußläufig in die zentrale Innenstadt. Die Hauptstadt Oberösterreichs mit ihren rund 200.000 Einwohnern bietet jede Menge fürs Auge, was wir exklusiv durch unseren freundlichen Fremdenführer nahegebracht bekommen. Zwar schifft es am ersten Vormittag erbärmlich, was wir aber für eine Streckenbesichtigung sinnvoll nutzen. Auch für Elke ist das nicht langweilig, da ihr Viertelmarathon bis auf die letzten Meter identisch mit dem Beginn des Marathons ist.

Die Marathonmesse verdient endlich mal wieder diesen Namen und ist der Größe und Bedeutung des Ereignisses angemessen. Beeindruckend ist sowohl Herbert, der als zigfacher Finisher eine Gratisportion Pasta erhalten und diese an uns abtritt, sondern auch die Angebote. Für sage und schreibe 30 € erstehe ich ein gleichermaßen gutes wie schönes Paar Laufschuhe für Elke. „In Linz läuft's!“ haben wir auf einem Shirt entdeckt, das zum 20. Geburtstag aufgelegt worden war. Tatsächlich gibt es genau dieses im Ausverkauf für schlappe 10 €, natürlich nehmen wir direkt zwei mit. Leider haben sie keines mehr in XL, weshalb unser Linzer (Rhein) Freund Fred leer ausgeht.
 

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Die Damen helfen beim Suchen, werden aber auch nicht fündig und schenken uns für ihn zum Trost eine entsprechend beschriftete Trinkflasche. Vergelt's Gott! Den Tag verbringen wir noch mit exquisiter Kulinarik und Erkundungen, z.B. auf den Pöstlingberg, wo es nicht nur sehr schön ist, sondern der v.a. auch einen top Überblick bietet.
 

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Am Sonntag wird’s dann ernst. Elke startet eine Stunde vor mir zu ihrem Viertelmarathon. Den einen km begleite ich sie gerne und kehre nochmals zum Hotel zurück. Wieder im Startareal angekommen, treffe ich sofort auf Herbert und seine Genossen, allesamt vom Linzer und/oder österreichischen Laufadel. Gerhard Wally tritt hier zum zweiundzwanzigsten Mal an und wird seinen 780. Marathon erfolgreich beenden. Auf der für den Autoverkehr komplett gesperrten Voest-Autobahnbrücke (A7) überqueren wir direkt die Donau. Zunächst rechts eindrehend, werden wir, die auf der linken Seite gestarteten Volldistanzler, mit den zeitgleich in Bewegung gesetzten Halblingen zusammengeführt. Gemeinsam durchqueren wir die Stadtteile Dornach und St. Magdalena. Die Tränen kommen mir an der Tankstelle, wo sie E10 für satte 30 Cent pro Liter weniger als bei uns Klimaverrückten verkaufen.
 

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Bei km 3,5 steht Evi, Herberts Frau, zum Anfeuern, dankeschön! Verabredungsgemäß beginne ich mich langsam von Herbert abzusetzen. Unter gutem Zuschauer-, nein „Zuseher“zuspruch durchmesse ich Harbach und nähere mich via Urfahr wieder der Donau. Der Name Urfahr entwickelte sich aus dem Wort Überfahrt, die nötig war, um von Linz dorthin zu gelangen bzw. das Salz von den Linzer Ladestätten über die Donau zu schiffen. 1919 wurde der Ort zu seinem Leidwesen eingemeindet. Unsere den Bonnern zugeschlagenen Beueler können ein Lied davon singen. Runde neun km sind geschafft, als wir mit der 1938-1940 erneuerten, 250 m langen und 30 m breiten Nibelungenbrücke die Rückkehr auf die (originale) Linzer Seite vor Augen haben. Wir überqueren damit die ehem. Zonengrenze, denn von 1945 bis zum Ende der Besatzungszeit 1955 war Linz entlang der Donau geteilt gewesen. Der Norden (Urfahr) war sowjetisch besetzt, der Süden (Linz) von den US-Amerikanern. In meinen Augen sehr schön anzusehen sind die beiden von Albert Speer entworfenen „Brückenhäuser“ auf der Linzer Seite als quasi Eingangstor zum Hauptplatz. Vor diesen wird links abgebogen. Natürlich steppt insbesondere hier der Bär.
 

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Links kommt jetzt das Brucknerhaus zu Ehren des  großen Sohnes der Stadt, dahinter taucht unser Hotel auf, wo Elke stehen könnte, aber nur könnte, denn offensichtlich steht sie noch unter der Dusche. Die eine oder andere Musikgruppe belebt jetzt die Szenerie, wo wir auf recht breiten Straßen zu vierteln beginnen: Rathaus-, Neustadt-, Franck-, Markart-, Wankmüller-, ein Viertel folgt dem nächsten. Optisch über etliche km nicht ganz so prall, bietet nun der St. Barbara-Friedhof eine willkommene visuelle Abwechslung. Großes Lob verdient sich auch der einsame Schlagzeuger unter einer Unterführung, der sein Instrument unermüdlich und mit stoischer Ruhe bearbeitet. Längst ist km 15 passiert, das Ende der ersten Runde bereits in Reichweite unserer Beinwerkzeuge. Meine sind in einem ordentlichen Zustand, nur sieben Tage nach meinem letzten, vergleichsweise flotten Marathon in Antalya (4:11 Std.) ist das keine Selbstverständlichkeit.
 

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Die Verpflegungssituation, nein LABEsituation (wir sind ja bei den Ösis!) ist tadellos, es gibt nichts zu meckern. Mit Tatütata rauscht von hinten die Spitzengruppe der Männer heran. Der Führende, Abednego Cheruiyot aus Kenia, hat zu diesem Zeitpunkt 2:04 Std. Laufzeit hinter sich und wird vier Minuten später als Erster das Zielband zerreißen. Kurz dahinter folgen die späteren Zweit- und Drittplazierten, der Äthiopier Sahelislassie Nigussie Bekele (2:09:32) sowie der zweite Kenianer Victor Kipkoech Biwott (2:10:00). Alle drei kann ich knipsen und anfeuern.

Über eine längere Gerade steuern wir mit dem zentralen, sehr schönen Hauptplatz der Halbzeit entgegen, Kopfsteinpflaster und Straßenbahnschienen verlangen erhöhte Aufmerksamkeit. Die Zuseherreihen verdichten sich mehr und mehr, je näher wir der mehr als deutlich ausgewiesenen Streckenteilung kommen: Zieleinlauf geradeaus, zweite Runde für die Marathonis links ab heißt es unzweideutig auf großen Bannern sowohl in der Luft als auch auf der Straße. Wer sich hier verläuft, dem ist nicht zu helfen. Ja, natürlich wäre es schön, jetzt geradeaus laufen zu dürfen, aber vor den Erfolg haben die Marathongötter jede Menge Schweiß gesetzt. Der jedoch fließt nicht in Strömen, da die Lauftemperatur nicht besonders hoch, also ideal ist. Das bedeutet kleidungstechnisch für die meistenvon uns  kurz/kurz.
 

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Die zweite Runde führt allerdings nicht mehr nach Norden über die Donau, es bleibt also bei knappen zehn km (inkl. der beiden Brücken) auf Urfahrner Gebiet, der Rest spielt sich südlich der Donau im eigentlichen Stadtgebiet ab. Eine längere Wendepunktstrecke bietet reichhaltige Gelegenheit, zunächst die z.T. deutlich Schnelleren zu bewundern und nach der Wende die Langsameren zu bedauern und sich zu freuen, daß man selber noch vor denen liegt. Herbert liegt kurz hinter mir, Gerhard Wally und Heidi Riepl kommen zu überraschend für meine Kamera bzw. deren Bediener. Ich bin schon vorbei und habe keine Lust zurückzulaufen, als Gerhard lautstark ein Heldenfoto durch mich fordert.
 

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Nicht nur mein Kracher des Tages kommt gegen Ende des Begegnungsverkehrs auf der rechten Seite. „Wer sich zu spät anmeldet...“ klebt an einem Laufband, das ein Sportler grinsend vor einem Therapie- und Trainingszentrum bearbeitet. So etwas habe ich wirklich noch nicht gesehen, eine sehr coole Idee. So manche Ecke, die wir bei der Streckenbesichtigung am Freitag abgefahren haben, erkenne ich tatsächlich wieder, insbesondere das Wäldchen hinter der „Neuen Welt“, das wir, teilweise parallel zu einer stark befahrenen Straße, durchqueren. Natürlich aber auch das Hinweisschild zum „Bratwurstglöckerl“, einem urigen Landgasthof, den wir am Freitagabend mit Evi und Herbert heimgesucht hatten.

Nachdem wir ein kleinstädtisches Wohngebiet durchlaufen haben, folgen wir viele hundert Meter einem Maschendrahtzaun, der auf seiner ganzen Länge mit zahlreichen Musikboxen bestückt ist, die genau das ausspucken, was mir gefällt: Heavy Metal. Das Stück, das gerade gespielt wird, kannte ich bisher nicht, wohl aber die Stimme: Ozzy Osbourne, legendärer Frontmann von Black Sabbath. Der mehrfach gehörte Refrain paßt wie verrückt. „I don't wanna stop!“ hämmert es hinter, neben und vor mir. Wie geil ist das denn? Hier hätte ich bleiben können, wenn mich nicht die Aussicht auf Finish Nr. 222 nach vorne triebe. Jetzt vollkommen publikumbefreit, erfreut uns nicht zum ersten Mal der Lautsprecherwagen eines Radiosenders mit bekannten Rhythmen.
 

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Die letzten sechs km sind uns bereits bekannt, entsprechen denen der ersten Runde. Bald schon ist das 40 km-Schild erreicht, der Rest nur noch Formsache. Die Fandichte nimmt wieder langsam zu, wenn auch längst nicht mehr so viele Leute am Rand stehen, als der Halbmarathon noch stattfand. Dann Altbekanntes: Kopfsteinpflaster, Straßenbahnschienen und puschelnde Mädels, die diesmal allerdings unseren Zieleinlauf begleiten. Jetzt gilt die Streckenteilung nicht mehr, ich darf geradeaus auf den Hauptplatz laufen. Die mich fotografierende Evi auf der linken Seite sehe ich leider nicht, dafür mei Oide, die sich gegenüber auf der rechten Seite positioniert hat.

Nach 4:23 Stunden ist es dann geschafft, die schöne, wohlverdiente Medaille wartet auf die Übergabe, die auch alsbald erfolgt. Evi überrascht mich mit einem selbstgestalteten Glückwunschschild zu meinem 222. Marathon. Leider läßt mich ein Mißverständnis in Richtung der ein paar Meter entfernt bereitstehende Zielverpflegung aufbrechen, kurz bevor Herbert einläuft, auf den ich eigentlich warten wollte. So treffen wir uns wenige Minuten später zur Übergabe der Finishershirts und zum Anstoßen mit dringend benötigten isotonischen Getränken, bevor die Wiedervereinigung mit unseren Mädels erfolgen kann. Ein leckeres, gemeinsames Abendessen beschließt diesen schönen, erfolgreichen Tag. Zur Abrundung unserer kleinen Reise machen wir noch einen Ausflug in die Tschechei, besuchen das einem Freilichtmuseum ähnelnde, traumhaft schöne Krumau an der mäandernden Moldau sowie Budweis. Wieder einmal haben wir erfolgreich meine Lieblingsbeschäftigung Laufen und Reisen miteinander kombinieren können. Weitere kleinere und größere Abenteuer werden sich in diesem Jahr noch anschließen. Seid gespannt!
 

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