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25. Siebengebirgsmarathon am 07.12.2025


Schlammschlacht zum Silberjubiläum

Düster hatte es im vergangenen Jahr ausgesehen, als sich in der ersten Jahreshälfte die Gerüchte verdichteten, v.a. die prekäre Helferlage würde der beliebten rheinischen Traditionsveranstaltung im Bad Honnefer Höhenstadtteil Aegidienberg den Garaus machen. Selbstverständlich war ich, der vergleichsweise um die Ecke wohnt, dann zum siebten und vermeintlich letzten Mal dabei gewesen. Und umso erfreuter war ich zu erfahren, daß sich mit Arne Pöppel und seinem Verein Bewegungssport Rhein-Sieg e.V. doch noch ein Nachfolger gefunden hatte. War dann bei dessen Ersteinsatz im vergangenen Jahr schon einiges anders als gewohnt gewesen, durften wir uns heuer über weitere Neuerungen freuen.

Bewährt blieb die Möglichkeit, in den Vortagen seine Startnummer samt Buff, die diesjährige Dreingabe, beim Dealer meines Vertrauens in Bad Honnef abzuholen, was ich wieder gerne genutzt habe. Derartig komplett vorbereitet, treffe ich nach nur 22 Minuten Anfahrt im Bürgerhaus Aegidienberg, dem Dreh- und Angelpunkt der Veranstaltung, ein. Der Zieleinlauf ist erneut mit luftballonbehangenen Bögen geschmückt, ein blauer Teppich ziert denselben, Absperrgitter sind aufgebaut und die Halle ist ihrer Bestuhlung beraubt.
 

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Keine Frage, das muß so sein, denn die Teilnehmerzahlen sind geradezu explodiert. 375 Marathoner, 899 Halblinge und 109 Erfolgreiche beim neuen sog. Speedhiking über die Marathondistanz benötigen Platz. Es sind mehrere Schalter für die restliche Startnummernausgabe eingerichtet und auf der Empore findet sich erstmals ein geradezu professioneller Schalter für die bewachte Gepäckaufbewahrung. Ja, nichts ist für die Ewigkeit, das charmante, ganz leicht Anarchische der ersten 23 Ausgaben ist perdu. Natürlich ist es so, wie es jetzt ist, deutlich komfortabler geworden. Sogar einen Duschtruck hat man vor die Halle gestellt, womit der gefühlte zusätzliche Halbmarathon nach dem Marathon  zur bisherigen Duschmöglichkeit entfällt.

Etwa einen km beträgt der Fußweg zum Gangpferdezentrum, an dem traditionsgemäß, jetzt allerdings in die andere Richtung als früher, gestartet wird. Arne strahlt wie ein Putzeimer – Grund genug dafür hat er – und jagt uns um 9 Uhr pünktlich los. Stolze 8:30 Std. haben wir jetzt Zeit, das Ziel im Bürgerhaus – Frankfurt light! - zu erreichen, die Wanderer sogar noch eine Stunde länger. Das sichert ihm die Herzen der Älteren, denn diese Zeitlimits kann man, sofern die Knochen halten, wirklich sehr lange schaffen. Hierfür war auch die kürzlich verstorbene, regionale Lauflegende und 100 MCler Dietmar Mintgen gemeldet, der nicht nur von mir schmerzlich vermißt wird. Solch eine heimatnahe Veranstaltung beschert einem viele Bekannte, unter denen ich mich besonders über den von seiner Gisela begleiteten Andreas und den Koblenzer Oli freue. Mit letzterem verbringe ich die ersten km, bevor er sich nach vorne verabschieden muß, denn er ist heute der Star des Abends beim Regionalradio RPR1, um über seine 52 Marathons in 52 Wochen zu berichten. Kaum losgelaufen, ist erstmal kollektiver Stillstand angesagt, denn der Weg ist komplett geflutet. Noch sind die Schuhe sauber, noch umkurvt man die übelsten Stellen. Aber Ihr wißt es, mit zunehmender Laufdauer wird sich das geben.
 

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Über insbesondere von den nächtlichen Regenfällen ordentlich aufgeweichten und von tiefen Pfützen durchzogenem Untergrund kommen wir nach einigen Schlenkern auf den Stellweg. Erspart bleibt uns somit der 23malige kurze Auftakt durch Aegidienberg mit Inaugenscheinnahme des Km-Schildes 42, kaum daß ein paar hundert Meter zurückgelegt sind. Ach, die Schneewittchenhütte, die muß ich wegen der netten Figuren immer wieder fotografieren. Die ersten sanften Aufs und Abs stimmen uns auf die kommenden Höhenmeter ein. An jeder Abbiegung, an der man sich verlaufen könnte, steht ein freundlicher Streckenposten und hält uns auf dem Pfad der Tugend. Die Helferschar ist geradezu überwältigend groß, das freut enorm und macht Hoffnung auf zahlreiche weitere Ausgaben. Ob ich allerdings mit dann 91 Jahren beim Goldjubiläum dabei sein werde, kann ich heute noch nicht versprechen.
 

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Noch jogge ich die Steigungen – an die 850 Höhenmeter harren der Bewältigung – vergleichsweise locker hoch, muß aber sehr vorsichtig sein. Knappe drei Wochen Kreuzfahrt, gepaart mit einigen anderen Widrigkeiten (v.a. akuter, aber nur temporärer  Laufunlust), haben verursacht, daß seit Lübeck vor sieben Wochen mein längster Lauf beim Argenthaler Adventstrail stolze 17,6 km maß, da kann man realistischerweise keine Wunder erwarten. Auch wenn die Erfahrung lehrt, daß ein Marathon zu 80% mit dem Kopf und zum Rest mental gelaufen wird. 5 km sind absolviert, erste längere, gerade Wege laden zu entspanntem Joggen ein, wenn nicht, ja wenn da nicht diese beiden Wegbegleiter wären, die exakt mein Tempo laufen, und sich in englischer Sprache ein Trommelfeuer an Unterhaltung geben. Da willst Du einfach in Ruhe den Wald genießen und die quatschen Dir in gehöriger Lautstärke ohne jede Unterbrechung die Ohren voll. Weglaufen kann ich nicht, die sehr wohl, aber wollen es offenbar nicht. Fast 30 km werde ich dies ertragen müssen, kleinere Pausen sind für mich wahre Labsale.
 

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Der erste VP, hier Ladestationen genannt, bietet schon fast das volle Programm, von dem ich wie immer fast ausschließlich Wasser und dem warmen (!) Tee zuspreche. Die Piranhas, eine Percussion-Sambaband aus (Bonn-)Beuel, heizen uns zum ersten Mal ein, eine weitere, nicht hoch genug zu lobende Neuerung. Wir werden sie später nochmal sehen und hören. 5 km sind absolviert. Auf dem Weg in Richtung Löwenburg stoße ich auf Iris und Jürgen, die im Gegensatz zu mir bereits ihren Ruhestand genießen, allerdings nicht im Lehnsessel. Auf den nächsten Metern wird mich Dirk begleiten, zuletzt hat er in Frankfurt den Zugläufer für 4:59 Std. gegeben. Ach ja, es ist schön, langjährige Weggefährten zu besitzen.

Die traditionelle Runde um die Löwenburg beginnt an der zweiten Ladestation, das Buffet ist bereits sehr reichhaltig, die Auswahl fällt schwer. An der Ittenbacher Margarethenhöhe sind die ersten zehn km absolviert, das Gelände ist mir nicht nur vom Siebengebirgsmarathon sehr vertraut. Das Ausflugslokal unterhalb der Löwenburg hat mir mal auf einem der Rheinsteig-Erlebnisläufe quasi das Leben gerettet. Das würde bei Bedarf auch das DRK machen, aber deren Auto bleibt heute wohl ungenutzt. Lange, gerade Wegabschnitte sind zu nehmen, auf denen man mit sich aus motivationstechnischen Gründen gut zurechtkommen sollte, sonst könnte es mit zunehmender Erschöpfung haarig werden. Die nächsten Sprüche erscheinen, die Trommler sind wieder da, auch die nächste Ladestation trägt weiter zur perfekten Rundumversorgung bei. Auch das Wetter spielt mit: Bei 4-5 Grad und durchgehender Trockenheit (von oben!) gibt’s nichts zu meckern.
 

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Eine Institution ist auch Thorsten, der Eventfotograf, der nicht nur mich hier bereits zum zweiten Mal abschießt. Seine Birgit erwartet uns im Ziel und sitzt im vergleichsweisen Warmen. Halbzeit ist nach 2:20 Std., alles im Lot. Aufregen muß ich mich an der einen oder anderen Stelle über die wenigen Mitläufer, die zwar gerne z. B. ein volles Geltütchen vom VP mitnehmen, es aber nicht schaffen, das leere bis zur nächsten Entsorgungsmöglichkeit einzustecken. Ein netter Laufkamerad sieht das genau so und macht sich als Müllmann um die Natur verdient. Die eine oder andere Begegnungsstrecke sorgt für Kurzweil, während mit Raik und seiner Begleiterin gelacht wird, weil wir uns ziehharmonikamäßig immer wieder zusammenfinden. Sigrid und Norbert kommen mir entgegen, an seinem erfolgreichen Finish ist schon jetzt nicht zu zweifeln.
 

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Es wird zunehmend einsam um mich herum, viele befinden sich schon im Ziel. Ich schaue auf die Uhr: 33,33 km liegen hinter mir, 3:45 Std. sind verstrichen. Zu meinen besten Tagen war ich jetzt schon im Ziel. Temporas mutantur. Die langen Geraden bleiben, bereiten mir aber unverändert kein Kopfzerbrechen. Meine untere Peripherie inkl. der Schuhe haben sich immer mehr der matschigen Umgebung angepaßt, aber so kennt man das hier. Wäre es anders, würde doch glatt etwas fehlen. Ah, dann endlich ist der grüne Bauwagen da und sorgt für fast heimatliche Gefühle. Er ist tatsächlich trotz der grundsätzlichen Beweglichkeit so etwas wie ein Fixpunkt während dieses Laufs. Wieder mal ist eine Runde gedreht und am hier erneut angelaufenen VP entdeckt mich Kris beim Becherauffüllen. „Bin wieder fit und komme zu Dir zum Bärenkopplauf am 1. August!“ Damit hätten wir auch das geklärt und Heinz wird Konkurrenz in der M75 bekommen.
 

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Am folgenden wird VP noch schnell Andrea geknutscht, dann erkenne ich die finale Kreuzung, die das Ende des Waldes signalisiert. Hinter dem Ortseingangsschild von Himberg/Aegidienberg bietet sich ein toller Blick auf die Hügel (nicht Berge!) des Siebengebirges. Ups, noch eine Neuerung, denn die Landstraße zwischen Himberg und Aegidienberg wird nicht direkt, sondern erst am Kreisel über den Zebrastreifen überquert. Im Nachhinein frage ich mich, warum das nicht schon immer so gewesen ist, mir erscheint diese Lösung weniger aufwendig. Thomas hilft einem älteren Herrn respektvoll über die Straße, worauf der noch anderthalb km vor der Brust hat. Meine Herren Gesangsverein, was bin ich hier im Jahre des Heils 2002 abgekackt! Heute habe ich mir die Sache gut eingeteilt und fliege vergleichsweise im 5:30er Schnitt, für meine heutigen Verhältnisse zügig, zur Halle.
 

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Toll, was man sich für die finalen Meter hat einfallen lassen, ein sehr stimmungsvoller Zieleinlauf folgt. Mit Gittern ist der Einlaufkanal abgesichert, mehrere luftballongeschmückte Bögen zieren diesen, und der Clou: Man hat uns einen roten Teppich ausgelegt. Wer die Woche vorher in Valencia war, genießt jetzt den zweiten Teppicheinlauf, nur nicht in Blau. Und wer sich ein wenig an Frankfurt erinnert fühlt, liegt nicht verkehrt, denn der Einlauf ins Bürgerhaus hat auch etwas für sich, wenngleich natürlich mehrere Nummern kleiner. Nach 4:42 Std. habe ich fertig, und von Birgit abgelichtet, gibt es im Tausch gegen den (erstmals verwendeten) Chip die Medaille sowie eine hübsche Mütze mit dem Lauflogo. Dann warten die Zielverpflegung und das reichhaltige Kuchen- sowie Pastabuffet gegen kleines Geld der Vernichtung.
 

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Wir können uns glücklich schätzen, daß diese schöne Veranstaltung dem Laufkalender und damit uns erhalten bleibt, auch wenn ich sowohl das Auge Gottes sowie die V2-Stellung auf der Strecke schon etwas vermisse. Das Angebot um diese Zeit, Ihr wißt das, ist sehr dünn, insbesondere in fahrbarer Entfernung. Und die Nordlichter haben jetzt gelernt, daß man vor diesem Lauf keine Angst zu haben braucht, auch wenn die Höhenmeter inzwischen noch etwas auf nun 850 gestiegen sind. Aber hey, was soll’s, kannst Du die nicht laufen, gehst Du eben ein Stück. Es war also wieder einmal genau so, wie wir es lieben. Und exakt deswegen ist die Zahl der Wiederholungstäter derart hoch. Wir sehen uns im nächsten Jahr in Aegidienberg wieder. Inkl. Nordlichter!


Streckenbeschreibung:
Welliger Kurs auf häufig matschigem Untergrund, die Anstiege addieren sich auf 850 Höhenmeter.

Startgebühr:
45 € für den Marathon bei Voranmeldung, 5 € Nachmeldegebühr.

Weitere Veranstaltungen:
Halbmarathon.

Teilnehmerbeschränkung:
Marathon und Halbmarathon je 400.

Leistungen/Auszeichnung:
Mütze, Medaille, Urkunde, Sachpreise für die Erstplazierten.

Logistik:
Das Bürgerhaus Aegidienberg ist das Veranstaltungszentrum. Dort gibt es die Startunterlagen und ab 7 Uhr ein preiswertes Frühstück. Zum Start auf dem Gangpferdezentrum sind es ca. 400 Meter, das Ziel ist in der Halle. Parkplätze sind in der Nähe, Duschen in der nahegelegenen Schule.

Verpflegung:
Zehnmal Verpflegung an „Ladestationen“ (einige doppelt anzulaufen) mit Wasser, Iso und Tee (warm!), später zusätzlich Cola sowie Bananen und Riegel, zweimal Gel. Gute und reichhaltige Zielverpflegung.

Zuschauer:
Bis auf einige kleine Fangruppen Fehlanzeige (was mich nicht stört), aber einige Spaziergänger und Jogger.